Am 6. Januar 2026 wurde beim Neujahrsempfang in Gotha eine Nachricht öffentlich, die uns alle betrifft: Der Bundeswehrstandort Gotha soll massiv – um rund 30 Prozent – erweitert werden. Als Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) im Landkreis und der Stadt Gotha betrachten wir diese Pläne mit großer Sorge. Bevor über Baupläne und Logistik Fakten geschaffen werden, müssen wir das politische Fundament hinterfragen, auf dem diese Vergrößerung errichtet wird.
Verteidigungsfähigkeit ja, „Kriegstüchtigkeit“ nein
Wir verkennen nicht, dass die Bundeswehr den Auftrag hat, unser Land im Ernstfall zu verteidigen. Doch wir wehren uns entschieden gegen die aktuelle Rhetorik der „Kriegstüchtigkeit“, die zunehmend in den Mittelpunkt der Politik rückt.
- Sicherheit durch Vernunft: „Kriegstüchtigkeit“ bedeutet mehr als nur Ausrüstung; es ist die mentale und materielle Vorbereitung einer gesamten Gesellschaft auf den Kriegszustand. Wir lehnen eine Politik ab, die unsere Kinder in den Schulen und unsere Infrastruktur in den Städten auf ein Szenario ausrichtet, das durch Diplomatie verhindert werden muss.
- Eigenständige Verteidigungsfähigkeit: Die Behauptung, wir müssten massiv aufrüsten, um eine vermeintliche Lücke zu füllen, hält der Realität nicht stand. Ein Vergleich der militärischen Stärke zeigt deutlich: Schon die NATO-Staaten ohne die USA verfügten zuletzt über einen Wehr-Etat von rund 373,5 Mrd. USD – das ist fast das Fünffache des russischen Etats (ca. 74,8 Mrd. USD). Mit etwa 3,44 Mio. aktiven Soldaten gegenüber ca. 1,32 Mio. auf russischer Seite sowie einer massiven Überlegenheit bei den Luftstreitkräften (ca. 22.400 zu 4.950 Flugzeugen) ist die konventionelle Verteidigungsfähigkeit zweifelsfrei gegeben. Eine weitere Steigerung in Gotha dient daher nicht der Sicherheit, sondern treibt lediglich eine gefährliche Eskalationsspirale an.
- Defensive Verteidigung: Wahre Verteidigungsfähigkeit erwächst aus einem defensiv ausgerichteten Bündnis und einer klugen Friedenspolitik. Die „veränderte Sicherheitslage“ darf nicht als Vorwand dienen, um Diplomatie durch Sanktionen und Entspannung durch Blockbildung zu ersetzen. Wir stehen für eine Rückkehr der Vernunft.
Gotha im Fadenkreuz: Reale Gefahr für unsere Bürger
Mit der Ausweitung militärischer Infrastruktur steigt zwangsläufig die strategische Bedeutung des Standortes. Was offiziell als „Sicherheitsgewinn“ deklariert wird, macht unsere Stadt im Krisenfall faktisch zur Zielscheibe. Wir lehnen es ab, dass die Bürgerinnen und Bürger ohne echtes Mitspracherecht in eine solche Gefahrenlage gebracht werden. Der Schutz der Zivilbevölkerung muss oberste Priorität haben – Städte sind Lebensräume, keine militärischen Brennpunkte im Sinne einer „Kriegstüchtigkeit“.
Wirtschaftliche Sackgasse statt nachhaltiger Investitionen
Das Argument, Militärstandorte seien Wirtschaftsmotoren, führt in die Irre. Militärische Investitionen binden Milliarden an öffentlichen Mitteln, die an anderer Stelle schmerzlich fehlen.
- Echte Wertschöpfung: Eine zukunftsfähige Wirtschaft in unserer Region entsteht durch die Förderung des Mittelstands, Entbürokratisierung und moderne Infrastruktur, nicht durch Kasernen.
- Soziale Prioritäten: Während Milliarden in die militärische Expansion fließen, fehlen in unserem Landkreis Investitionen in Kitas, Schulen und die medizinische Versorgung. Hier fehlen bereits jetzt hunderte Fachkräfte – eine Gesellschaft wird nicht durch Waffen „tüchtig“, sondern durch soziale Stabilität.
- Zukunft statt Waffen: Ressourcen müssen in Bildung und die Erforschung umweltschonender Technologien fließen, statt in Kriegsgerät.
Lebensqualität und Freiheit schützen
Eine weitere militärische Aufwertung beeinträchtigt die Lebensqualität in Gotha durch Lärm, Verkehrsbelastung und ein Klima der Verunsicherung. Wir setzen dem unsere Idee von Gemeinsinn und einem friedlichen Miteinander entgegen. Wahre Sicherheit entsteht nicht durch die Versiegelung weiterer Flächen für das Militär, sondern durch eine Politik, die auf Deeskalation setzt, statt Gotha zur logistischen Drehscheibe für künftige Konflikte auszubauen.
Unsere Forderung:
Auch wenn die formale Entscheidung über die Stationierung und Erweiterung auf Bundesebene getroffen wird, dürfen die Verantwortlichen vor Ort nicht schweigen. Eine Stadtverwaltung und ein Kreistag dürfen nicht zum bloßen Vollzugsorgan einer Aufrüstungsstrategie werden.
Wir fordern die politisch Verantwortlichen im Kreis und in der Stadt auf, gegenüber der Bundesregierung deutlich Stellung zu beziehen und auf einen Stopp der Erweiterungspläne hinzuwirken. Es reicht nicht aus, Standortentscheidungen aus Berlin lediglich zu verwalten. Unsere Heimat darf nicht zum Rädchen in einer globalen Aufrüstungsmaschinerie umfunktioniert werden. Wir brauchen eine Politik der Vernunft, die das Wohl und die Sicherheit der Bürger in den Mittelpunkt stellt.
Gotha ist unser Zuhause – kein militärisches Ziel!
Rainer Jesse + KI
Danke an alle Beteiligten für die produktive Zusammenarbeit beim Erarbeiten des Beitrages.


