Die Fraktionen von CDU und FDP im Jenaer Stadtrat fordern, dass die Stadt eine Patenschaft für ein Kriegsschiff der Deutschen Marine übernimmt. Der entsprechende Antrag (25/0443-BV) wird kommenden Monat im zuständigen Ausschuss des Stadtrates behandelt. Der BSW-Landesverband Thüringen lehnt dieses Vorhaben entschieden ab.
„Ausgerechnet Jena, eine Stadt mit einer langen Tradition als Ort des Friedens und der Wissenschaft, soll nun symbolisch Teil der militärischen Aufrüstung werden. Das wäre ein falsches Signal“, sagt Katja Wolf, Vorsitzende des BSW Thüringen.
In der Beschlussvorlage ist die Rede von Demokratiebildung, MINT-Förderung und Inklusion – Aspekte, die laut Antrag über eine Patenschaft mit der Bundeswehr gefördert werden sollen. Für das BSW ist das eine äußerst fragwürdige Verknüpfung.
Gernot Süßmuth, ebenfalls Vorsitzender des Landesverbands, merkt an: „Demokratie und Bildung sind wichtige Aufgaben kommunaler Politik, aber sie gehören definitiv nicht auf ein Kriegsschiff. Die Marine ist kein pädagogisches Projekt, sondern Teil eines militärischen Apparates.“
Andreas Behn und Patrizia Hertlein (BSW-Mitglieder aus Jena) erinnern außerdem an ein historisches Detail, das im Antrag offensichtlich unbeachtet blieb: Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gab es ein französisches Schlachtschiff namens „Jena“. Es wurde nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt im Jahre 1806 benannt, die zu den verlustreichsten Gefechten Europas zählte und Zehntausende Tote forderte. 1907 explodierte das Schiff im Hafen von Toulon, über 100 Matrosen kamen dabei ums Leben.
„Dass man ausgerechnet in dieser Tradition nun eine Patenschaft anstrebt, wirkt historisch unsensibel und politisch kurzsichtig“, so Andreas Behn.
Das BSW Thüringen fordert den Stadtrat auf, den Antrag abzulehnen.
„Jena sollte sich auch in Zukunft als weltoffene, wissenschaftlich geprägte und friedensorientierte Stadt verstehen“, sagt Patrizia Hertlein. „Eine Patenschaft für ein Kriegsschiff ist kein geeignetes Mittel kommunaler Repräsentation, schon gar nicht unter dem Vorwand der Demokratiebildung für Kinder und Jugendliche.“
Für den Landesverband des BSW Thüringen
Katja Wolf und Gernot Süßmuth
(Das Beitragsbild wurde mit KI erzeugt)


